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Lieferengpässe bleiben ein großes Hindernis für die Unternehmen der M+E-Industrie

Die Erholung wird noch lange dauern: Gerade weil in vielen Ländern noch geringe Impfquoten herrschen, droht das Virus weiterhin, wichtige Produzenten, Häfen und Logistikrouten lahmzulegen.

Die anhaltenden Lieferengpässe durch gestörte Lieferketten behindern die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche in Deutschland und im Saarland in ihrem Bemühen, Rezession und Corona hinter sich zu lassen. Fast alle Unternehmen (95 Prozent) in Deutschland geben an, dass ihre Produktion durch fehlende Rohstoffe, Materialien oder Vorprodukte beeinträchtigt ist. 42 Prozent sind sogar stark betroffen, 40 Prozent mittelstark. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbands der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes in Kooperation mit Gesamtmetall.
Der Mangel zeigt sich auf allen Ebenen, von Kunststoffen über Metalle bis hin zu fertigen Bauteilen – in allen Bereichen gibt es immer wieder Knappheit. In 29 Prozent der Unternehmen deutschlandweit und in 35 Prozent der Betriebe an der Saar mangelt es an Rohstoffen und Materialien. Bei fast 40 Prozent sind die Vorprodukte knapp. Im Saarland macht sich wegen der starken Fokussierung auf die Autoindustrie vor allem der Halbleitermangel in der Produktion negativ bemerkbar.
„Die aktuellen Lieferschwierigkeiten zeigen, dass wir in der Corona-Pandemie bei Weitem noch nicht über den Berg sind. Die Unternehmen haben zwar derzeit noch volle Auftragsbücher, können aber nicht produzieren, weil ihnen die nötigen Materialien fehlen“, sagt ME-Saar-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter. „Die Erholung wird noch lange dauern: Gerade weil in vielen Ländern noch geringe Impfquoten herrschen, droht das Virus weiterhin, wichtige Produzenten, Häfen und Logistikrouten lahmzulegen.“
Durch Rezession und Corona sind die Unternehmen weit hinter den Stand von 2018 zurückgefallen. Aktuell liegt die Produktion (im 3. Quartal 2021) 22 Prozent unter dem Stand von Ende 2018. „Seit bereits zweieinhalb Jahren bemühen wir uns mühsam, aus dem Tal herauszukommen. Jetzt wird es ein Anstieg mit Bleistiefeln“, sagt Schlechter. „Der Aufholprozess wird deutlich länger dauern als ursprünglich geplant.“
Aktuell berichten die Unternehmen im Bund wie an der Saar, dass die Lieferengpässe im Schnitt seit mehr als fünf Monaten andauern. Wie lange die Situation noch andauert, ist für die Unternehmen völlig offen. Rund sechs von zehn Unternehmen geben an, dass sich ein Ende aktuell nicht absehen lasse.
Die Probleme in den Unternehmen sind von unterschiedlichster Ausprägung. Fast neun von zehn Unternehmen klagen bundesweit wie im Saarland über verspätete Lieferungen. Bei sechs von zehn (65 Prozent im Bund, 62 Prozent im Saarland) kommen die benötigten Produkte in zu geringer Menge an. Und sieben von zehn saarländischen Unternehmen (73 Prozent) beklagen gestiegene Preise im Einkauf. Bundesweit ist das sogar bei neun von zehn Unternehmen (89 Prozent) der Fall. Dass sich das Problem durch die ganze Lieferkette zieht, zeigt auch die Aussage eines Großteils der Unternehmen (85 Prozent Bund und Saarland) dass auch bei den Lieferanten die Produktion gestört ist. Als weiteres Problem machen die Unternehmen die Transportprobleme nach Europa aus (Bund: 59 Prozent, Saarland: 46 Prozent).
Die aktuellen Lieferketten-Störungen werden auch zu einer stärkeren Diversifizierung der Unternehmen führen. 82 Prozent der Unternehmen im Bund geben an, dass sie sich nach alternativen Lieferanten oder Produkten umsehen werden. Im Saarland tun das sogar 87 Prozent der Befragten. Die entsprechenden Kostensteigerungen wollen sieben von zehn Unternehmen im Bund an die Kunden über Preiserhöhungen teilweise oder vollständig weitergeben. Im Saarland planen dies fast acht von zehn Unternehmen.
Positiv ist zu sehen, dass die Unternehmen trotz der Produktionsstörungen weiter an ihren Beschäftigten festhalten wollen. 27 Prozent der Unternehmen im Bund und 25 Prozent der Unternehmen im Saarland setzen weiter das Mittel der Kurzarbeit ein. Nur sechs Prozent im Saarland und neun Prozent im Bundesschnitt denken auch über den Abbau von Arbeitsplätzen nach.
Die Umsatzeinbußen durch die Störungen der Lieferketten sind erheblich: Bundesweit geben die Unternehmen an, dass rund 12 Prozent des Umsatzes verloren gehen, im Saarland sprechen die Unternehmen von einer Einbuße von fast 18 Prozent. Als mögliche Hilfen der Politik werden unter anderem eine temporäre Aufhebung der LKW-Fahrverbote sowie der Nachtflugverbote genannt. Außerdem wünschen sich die Unternehmen eine Optimierung der Zollabfertigung, um hier unnötige Wartezeiten zu reduzieren.
Für die Umfrage hat Gesamtmetall 1.485 Unternehmen mit 784.876 Beschäftigten befragt. Die Umfrage wurden zwischen dem 12. Oktober und dem 29. Oktober 2021 ausgeführt. Im Saarland haben sich 31 Unternehmen mit 26.411 Beschäftigten beteiligt.