UV Saar aktuell

 
Dienstag. 16. Juli 2019

Arbeitszeitregelungen dürfen betrieblichen Spielraum nicht einengen

Neue Studie des Institut der Deutschen Wirtschaft

Fast jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland würde gern weniger arbeiten – das aber bringt Unternehmen zunehmend in Schwierigkeiten. Tarifvertragliche Arbeitszeitvereinbarungen müssten deshalb künftig flexibler gestaltet werden, kollektiv vorgeschriebene Rahmenregelungen seien nicht mehr zeitgemäß, analysiert das IW, dessen neue Studie etwa zeigt, dass in der M+E-Industrie zuletzt zwei von drei Unternehmen mit dem geregelten Arbeitszeitvolumen nicht zufrieden waren – im Westen, wo der Branchentarifvertrag eine Wochenarbeitszeit von 35 Stunden vorgibt, war die Unzufriedenheit sogar noch größer. Bei Unternehmen mit Haustarifverträgen lag die Unzufriedenheit hingegen nur bei einem Drittel.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen mehr Flexibilität benötigen, um schnell auf Kundenwünsche reagieren zu können. Auf der einen Seite strebten Arbeitnehmer mehr Zeitsouveränität an, auf der anderen Seite müssten Unternehmen immer flexibler auf Kundenanforderungen reagieren. Dabei können Konflikte entstehen, deren Entschärfung in erster Linie Aufgabe der Betriebsparteien ist. Die Tarifpartner können dem IW zufolge die Betriebsparteien durch tarifliche Rahmenregelungen unterstützen, die den Spielraum der Betriebe nicht einengen. So sei etwa denkbar, in Tarifverträgen lediglich einen Arbeitszeitrahmen vorzugeben, in dessen Bandbreite die Betriebe ihre Arbeitszeiten mit ihren Beschäftigten individuell und frei ausgestalten können.
Je unbürokratischer dies umgesetzt werden könne, umso größer dürfte auch die Akzeptanz tariflicher Regeln bei den Unternehmen sein, so IW-Tarifexperte Lesch. Um individuelle Bedürfnisse und betriebliche Notwendigkeiten ausbalancieren zu können, müsse die tarifliche Arbeitszeitpolitik mehr Freiräume für betriebliche Lösungen gewähren: „Sinnvoll wären beispielsweise tarifliche Arbeitszeitkorridore. Innerhalb eines solchen Korridors könnten die Betriebsparteien dann individuelle Vereinbarungen treffen.“ Kollektiv vorgeschriebene Wochenarbeitszeiten würden von den Unternehmen oft als bürokratisch und nicht mehr zeitgemäß angesehen, erklärte Lesch: „Gerade kleine und mittlere Betriebe müssen die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeiten praxisgerecht festzulegen." Das würde auch wieder die Akzeptanz von tarifvertraglichen Regelungen erhöhen.
(Quelle: IW)